Und wenn die Welt, wie wir aus Erfahrung annehmen müssen, uns den Krieg erklärt, gibt uns das Naturgesetz nicht nur das Recht, uns zu verteidigen, sondern auch anzugreifen. Unsere Sache ist mutig, gerecht, unschuldig und ehrenhaft, die Sache der Freiheit. Ich plädiere daher für eine weiße Flagge – statt der schwarzen der prinzipienlosen Piraten – mit der Göttin der Freiheit Libertas darauf. Und, wenn ihr mögt, einem Motto: A Deo A Libertate – für Gott und die Freiheit.
Daniel Defoe: Libertalia - die utopische Piratenrepublik - 1728

Gebundenes: Libertalia

Eine Kostbarkeit ... Seien Sie versichert: Eine solche Freibeuter-
Geschichte haben Sie noch nicht gelesen. Knut Cordsen, Bayerischer Rundfunk, 10. Februar 2015 Online

Die wichtigsten Texte zu dieser schillernden Legende ... liegen jetzt
in einer verdienstvollen Ausgabe vor. Michael Kempe, Neue Zürcher
Zeitung
, 16. Juni 2015 Online

Eine sinnvolle Korrektur am verklärten Piratenbild, hier zum ersten
Mal auf Deutsch zu lesen. Tim Caspar Boehme, die tageszeitung, 8. November 2014 Online

Eine befreite Gesellschaft ist die Mission. ... Grund genug, dieses wenig bekannte Kapitel Männer- geschichte zu lesen und zu mögen. AUGUSTIN. Straßenzeitung Wien, Nr. 394, 08. Juli 2015, S. 35 Download als .pdf

Eine wunderbare Ausgrabung, eine tolle Story. ... ein sehr gutes piratenkundiges Nachwort. ... Spannung und Abenteuer, aber auch eine soziale Geschichte. Mario Scalla, Buchempfehlung, Hessischer Rundfunk, 07. Juni 2015 Hören als .mp3

Ein radikaldemokratisches Experiment. ... Absolut lesenswert. Jochen Knoblauch, Junge Welt. Literaturbeilage Piraten, 10. Juni 2015 Online und Literaturbeilage Piraten komplett

Trotz ihres kurzzeitigen Bestands war Libertalia ein über die Zeit hinausweisendes gesellschaftliches Experiment, von dem wir heute noch – nach 300 Jahren – lernen können, wie wichtig Utopien sind. Uwe Detemple, freitag, 20. Dezember 2015 Online


Etwas zum Buch

Jeder kennt die Welt der Piraten als abenteuerliches Universum aus Holzbein, Säbelkampf und Totenkopfflagge - verwegene Gestalten schillernd zwischen edlen Helden und brutalen Räubern. Doch nur wenige wissen, dass viele Seeräuber radikaldemokratische, auf Freiheit und Gleichheit zielende, Ideen hatten. Diese spiegeln sich auch in Daniel Defoes 1728 erschienenen Bericht über die Piratenrepublik Libertalia auf Madagaskar wider.

Das Buch vereint die deutsche Erstausgabe dieser Berichte mit Piratensatzungen und einer zeitgenössischen Reisebeschreibung. Über die Ausgabe der fast 300 Jahr alten Texte hinaus ist das Buch mit dem Nachwort und dem Kommentar auch der Versuch, meine Faszination für Utopien, Revolutionen und einige radikaldemokratische Piraten provisorisch festzuhalten, zwischen Terror und Traum, mal euphorisch begeistert und mal abgrundtief verunsichert, ein Zwischenergebnis.


Das Buch in einigen weiteren Kritiken

Erzählt wird in Libertalia erst einmal die Geschichte des historischen Piraten Misson und seines Ideengebers Caraccioli - auch wenn dieser den Begriff Pirat nicht gelten lassen will: Mehr durch Glück denn durch Geschick in den Besitz eines Schiffes gekommen, nutzen die beiden die Gelegenheit, um ihre Vorstellung einer demokratischen, ja geradezu kommunistischen Schiffsordnung durchzusetzen - und diese Ordnung dann später in einer Kolonie, auf Madagaskar eben, umzusetzen. Alle Besatzungsmitglieder sollen dabei gleiches Recht haben, jeder seinen Anteil bekommen. Klasse oder Herkunft spielen mit einem Mal keine Rolle mehr.
Buch der Woche. Tobias Lemkuhl im Gespräch mit dem Herausgeber swr2 vom 04. Januar 2015 Online

1728 erschien die Erzählung zum ersten Mal, und die Grundsätze, die Defoe durch die Piraten verkündete, waren revolutionär. Selbst in der amerikanischen oder französischen Revolution kam es nicht so weit, Sklaven blieben Sklaven, Frauen hatten kaum Rechte. Selbst heute bleibt das Buch ein Stachel in unserer Demokratie, in der wir alle paar Jahre das Recht haben, unsere Stimme abzugeben – von einer direkten Demokratie sind wir immer noch weit entfernt, zu schweigen von einer libertären Gemeinschaft. ... Es ist ein informatives, interessantes und für unsere politischen Utopien auch wichtiges Buch, das jetzt mit schöner Goldprägung versehen erschien. Und für Piratenliebhaber eine grundlegende Ergänzung – zwischen die Schatzinsel und Eric F. Russels Planet des Ungehorsams zu stellen.
Georg Patzer in: Glanz & Elend - Magazin für Literatur und Zeitkritik vom 17. Mai 2015 Online und: literaturkritik.de Nr. 6, Juni 2015 Online

Den Seeräuberberuf interpretiert Meves als Flucht nach vorn. Die Realitäten im 17. und 18. Jahrhundert bestanden aus Unterdrückung, ruinösen Abgaben und willkürlichen Einkerkerungen. Sklavenaufstände in den Kolonien wurden von Soldaten beendet. So wären viele vom Land aufs Meer geflohen. ... Das zeitgenössische Libertalia sei daher radikal konsequent und umfassender als die Ideen der Französischen Revolution Jahrzehnte danach. ... So funktioniert das - themengerecht schwarze - Buch wie eine Schatzkiste voll glänzender Perlen der Erkenntnis. ... Wenn wir also die nächste Totenkopfflagge wehen sehen, könnten wir an die Option denken, gerechte Welten zu schaffen. Ob in unserer Imagination, auf Madagaskar, oder sonstwo.
Jutta Vahrson in: mare Nr. 110 von Juni/Juli 2015, S. 102

Libertalia ist der brisanteste Aspekt des Piratenmythos ... und ein Störfaktor. Das blutige Ende der Geschichte ... entschärft aber nicht die Fragen, die eine solche Utopie bis heute an die Wirklichkeit des Lesers stellen kann. ... Kommentare und Anmerkungen, die einerseits den Forschungsstand zur Geschichte der Piraten referieren, und andererseits - weiter ausgreifend - den geistesgeschichtlichen Ort der Satzungen der Piraten ausloten.
Michael Schmitt in: Deutschlandfunk vom 07. Juli 2015 Online

Das Versprechen dieser libertären Utopie wirkte später in der Populärkultur und Literaturgeschichte fort, wie Meves in seinem aufschluss- wie kenntnisreichen Nachwort zu den Quellen und der Rezeptionsgeschichte unterstreicht. ... Die Verlierer der Geschichte werden nicht allein von den Siegern verstümmelt, bemerkte Russell Jacoby in seinem Buch Dialektik der Niederlage, sondern auch von sich selbst.
Jörg Auberg auf: satt.org – ein SuKuLTuR-Produkt vom 17.Mai 2015 Online

Daniel Defoes Geschichte ist wie ein Blick in einen fernen Spiegel. ... Es handelt sich um einen großen Einspruch gegen die Ordnung der Zeiten, gegen den zwangsläufigen Determinismus von Herkunft und Geschichte, kurz: gegen den heute allgegenwärtigen Algorithmus. ... Die Satzungen und die Legende um Libertalia lesen sich zusammen mit dem ausführlichen Nachwort und Kommentar auch als Beiträge zur derzeit eingeschlafenen Demokratietheorie ... Was bleibt, ist die Idee einer Demokratie im Werden, im Prozess der dauernden Selbsterschaffung. ... Wirklich modern wird die Erzählung über ihren Diskurs in Bewegung unter den Piraten aber vor allem in der historischen Einbettung, wie sie Meves im Nachwort liefert.
Cord Riechelmann in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 08. März 2015, S. 50

Die Anregung Meves' aufgreifend und weiterführend, könnte man die semidokumentarische Piraten-Literatur des frühen 18. Jahrhunderts daher als ein drittes Medium radikalaufklärerischen Wirkens bezeichnen: angesiedelt zwischen den eine grosse Leserschaft erreichenden pornografischen Romanen und Klatschgeschichten auf der einen Seite und dem gelehrten Diskurs der Eliten um Spinoza, Bayle und Diderot andererseits. Doch wie radikal war die sogenannte Radikalaufklärung eigentlich ...? Mit grossem Gewinn jedenfalls lesen sich der ausführliche Kommentar und die weiterführenden Anmerkungen von Helge Meves zum Entstehungskontext und zur breiten Rezeptionsgeschichte der Libertalia-Erzählung bis in die Gegenwart.
Michael Kempe in: Neue Zürcher Zeitung vom 16. Juni 2015 Online

Die vorliegende Publikation kann nun allen an der Geschichte der Piraterie sowie an der Geschichte utopischer Gedanken und Experimente sehr empfohlen werden. ... Das editorische Material bietet in denkbar ausführlicher Weise alle wünschenswerten Informationen und zahlreiche Hinweise, die für die weitere Beschäftigung mit dem Thema höchst wertvoll sind. Das macht die Anschaffung des Buches auch für diejenigen interessant, die eine englische Originalausgabe von Defoes Buch besitzen. ... ein nicht nur literarisch, sondern auch philosophisch anregendes Kleinod, dem man viele Leser wünscht.
Till Kinzel in: Informationsmittel für Bibliotheken (IFB), 15-3 vom 26.07.2015 Download als .pdf

Die phonetischen Anklänge und politischen Assoziationen spannen die Erwartungen des Lesers hoch, und hinterher weiß man: zu hoch. ... Libertalia ist also nicht nur eine Quatschinsel (weil sie nie existiert hat), sondern auch eine Quasselinsel [... es wird ständig appelliert, geredet, erklärt, sich ausgesprochen, bis am Ende allgemeine Zustim- mung erfolgt ...] Eine richtige Piratenschmonzette würde man sich etwas leichtfüßiger vorstellen. Die verschiedenen Nachworte wiederum sind von der Idee her besser als in der konkreten Umsetzung und werden historisch-informierte Leser nicht durchweg überzeugen. Nützlich sind sie für das hübsch gestaltete Büchlein jedoch allemal.
Miloš Vec in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. Juli 2015, S. 10

Verbunden mit der Möglichkeit, dass das utopische Konstrukt auch scheitern kann, wird der Leser Zeuge, wie das neue Gemeinwesen entsteht. Nicht die Perfektion als solche steht im Vordergrund, sondern das diskutante Verfahren, wie es zu ermitteln ist. ... Dennoch wurde Libertalia bisher nicht in den Kanon der klassischen Utopien aufgenommen. ... Die Seeräuber bekämpfen die Fehlentwicklungen der europäischen Zivilisation mit denselben Methoden, die sie ihr als inhuman vorwerfen. Das aber ist ein Bruch mit der utopischen Tradition ... Vor allem aber fehlte bisher eine wissenschaftlich edierte und kommentierte Ausgabe der Libertalia. Sie wurde von Meves in mustergültiger Weise vorgelegt. Er hat dadurch den Weg für die Auseinandersetzung der Utopieforschung mit diesem Entwurf und seine Einordnung in die utopische Gattungsgeschichte geebnet.
Richard Saage in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 63. Jahrgang, Heft 5, Mai 2015, S. 488f.


Alle Besprechungen

L. B. Die Republik der freien Piraten In: AUGUSTIN Straßenzeitung Wien Nr. 394 vom 08.07.2015, S. 35 Download als .pdf Knut Cordsen Unsentimental - oder lieber utopisch? In: Bayerischer Rundfunk 5 Neues vom Buchmarkt vom 10.02.2015 Online Rebellen unter schwarzer Flagge. In: Berliner Zeitung vom 09./10.05.2015, Magazin, S. 10 Hans Erxleben Piratenrepublik als kommunistische Utopie? In: Das Blättchen. Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft. 18. Jahrgang, Nr. 14 vom 06.07.2015 Online Auf dandy-club.com Gesellschafts- und Kulturwebsite vom 12.01.2015 Online Michael Schmitt Die Republik der Piraten. In: Deutschlandfunk vom 07.07.2015 Online Ingrid Feix In: DISPUT. Mitgliederzeitschrift der Partei DIE LINKE von März 2015, S. 46 Download als .pdf Cord Riechelmann Die freiheitlichen Gedanken der Freibeuter. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 08.03.2015, S. 50 Miloš Vec Der Staat der wilden Kerle auf der Quasselinsel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28.07.2015, S. 10 Uwe Detemple Rebellen der Meere. Piraten Einspruch gegen die Ordnung der Zeiten. In: Freitag vom 20.12.2015 Online Georg Patzer Demokratie unter Piraten. Auf: Glanz & Elend - Magazin für Literatur und Zeitkritik vom 17.05.2015 Online und Gleiches Stimmrecht, Gleichstellung der Frauen, Abstimmung über wichtige Handlungen. Auf: literaturkritik.de Nr. 6, Juni 2015 Online Mario Scalla Buchempfehlung in: Hessischer Rundfunk 2 vom 07.06.2015 Hören Till Kinzel in: Informationsmittel für Bibliotheken (IFB): digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft 15-3 vom 26.07.2015 Download als .pdf Jochen Knoblauch Ein Mann, eine Stimme. Die Daniel Defoe zugeschriebene Allgemeine Geschichte der Piraten enthält eine demokratische Utopie. In: Junge Welt Literaturbeilage Piraten vom 10.06.2015 Online und Klar zum Entern? Über das Leben der Piraten im 17. und 18. Jahrhundert und den Mythos von Libertalia, einer utopischen Piratenrepublik. In: Knobi, der Büchernomade vom 11.07.2015 Online Thomas Schaefer in: konkret. politik & kultur 7/2015, S. 50 Tobias Prüwer Interview mit dem Herausgeber Frei und gleich zusammenleben. Piratenversteher Helge Meves über Räuber als Sozialrebellen. In: kreuzer. leipzig Januar 2016, S. 12 Download als .pdf Buchtipp in: LEO. Das Anhalt Magazin 2/2015, S. 37 Online Jutta Vahrson Von der Freiheit der Freibeuter. Gestrandete Piraten begründen eine Gesellschaftsutopie – in einem lange vergessenen Text der Daniel Defoe zugeschrieben wird. In: mare. Die Zeitschrift der Meere Nr. 110, Juni/Juli 2015, S. 102 Florian Schmid Die utopische Pirateninsel. In: Neues Deutschland vom 14.02.2015 Online Michael Kempe Unter weisser Flagge? Im 17. Jahrhundert soll sie auf Madagaskar gegründet worden sein: die libertäre Piratenrepublik Libertalia. Alte Quellen sind nun auf Deutsch zugänglich, doch ihr Wahrheitsgehalt ist zweifelhaft. In: Neue Zürcher Zeitung vom 16.06.2015 Online Alexander Weinlein in: Das Parlament Nr. 13 vom 23.03.2015 Online Ariane Lemme Von Piraten lernen. In: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 25.02.2016 Online Jörg Auberg Der Kampf geht weiter. Auf: satt.org – ein SuKuLTuR-Produkt vom 17.05.2015 Online SWR2 Buch der Woche, Tobias Lehmkuhl im Gespräch mit dem Herausgeber. In: Südwestrundfunk 2 vom 04.01.2015 Online Tim Caspar Boehme Eine postnationale Utopie. In: die tageszeitung vom 08.11.2014 Online Dirk Jürgensen Von Piraten lernen. Wir brauchen Utopien - Teil 6. Auf: Das vergoldete Zeitalter vom 20.02.2015 Online Richard Saage in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 63. Jahrgang 2015, Heft 5, S. 488f.


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Helge Meves Im Bund mit der Freiheit. Ein Jugendroman erzählt die Biographie der Piratin Anne Bonny als Emanzipationsgeschichte. Rezensionsessay zu Anna Kuschnarowa Das Herz von Libertalia, Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim, 2015. In: Junge Welt Literaturbeilage Piraten vom 10. Juni 2015 Online

Anna Kuschnarowa im Gespräch mit Tanya Lieske. Anne Bonny - die sympathische Piratin. In: Deutschlandfunk vom 16. Mai 2015 Online